Core BLN
Leider wirklich neu
Mit einem der frühesten KI-generierten Werbespots sorgten die Gründer von Core BLN 2023 für Aufsehen. Dabei können sie viel mehr als KI. Im November 2025 hat die junge Agentur ihren ersten Politik-Etat gewonnen.
Irgendwo zwischen sympathischer Leichtigkeit und kritisch-klugem Scharfsinn landet man, wenn man sich das kreative Schaffen und die Positionierung von Core BLN anschaut. 2023 von Kerstin Hagg und Luca Rescheleit gegründet, sorgte die Berliner Firma von Anfang an für Aufsehen. „Ex-JvM-Kreativer und Ex-Antoni-Beraterin machen sich selbstständig“, titelte die Fachpresse zum Start. Kerstin und Luca greifen das Namedropping gerne auf – ironisch, versteht sich – und setzen damit eine Spitze gegen Branchenpromis, die nach jahrelanger Geschäftsführererfahrung „ihr eigenes Ding“ machen. „Wir sind leider wirklich neu“, kokettieren die beiden.
Gestartet mit zwei Kunden stehen mittlerweile neun weitere Unternehmen auf der Etat-Liste. Darunter der Sportartikler Brooks, die Luxusmarke Montblanc, der Gebrauchtfahrradhändler Bike2Future und die Ehrenamtsplattform GoVolunteer sowie Probonio, eine Software-Lösung zur Verwaltung von Mitarbeiter-Benefits.
Im November 2025 kam der erste Auftrag von einer Partei: Bündnis 90/Die Grünen lässt sich von Core im Wahlkampf für das Berliner Abgeordnetenhaus unterstützen. Für Luca, der schon im Kinderwagen zu Demos und Podiumsdiskussionen mitgeschleppt worden ist, geht damit eine Art Kindheitstraum in Erfüllung, von dem er damals noch nichts wusste, schrieb er auf LinkedIn. Und Kerstin sagt über den Etat-Gewinn: „Core BLN hat von Beginn an auf die großen Themen unserer Zeit gesetzt: Im Gegensatz zur immer noch männerdominierten Agenturbranche haben wir nicht nur paritätisch gegründet, sondern uns mit unseren Kampagnen immer wieder für Nachhaltigkeit, Umweltschutz, die Energiewende und auch besseres Arbeiten eingesetzt. Es ist gut und wichtig, dass wir diesen Themen für die Grünen jetzt auch politisch ein Gesicht geben können.“
In der Anfangszeit gab es besonders viel Aufmerksamkeit dafür, dass Core BLN sehr früh KI in Werbekampagnen eingesetzt hatte. Bereits im Oktober 2023 – kein Jahr nachdem OpenAI ChatGPT veröffentlicht hatte – präsentierten die Berliner für die Umweltschutzorganisation GoNature einen Spot, der komplett aus KI-generierten Bildern zusammengesetzt war. Die Kreativen arbeiteten damals mit Midjourney. Als sie für eine Gastro-Marke künstliche Intelligenz einsetzten, interessierte die Medien die Machart der Motive mehr als die Produkte selbst.
Mittlerweile fragen sich viele, ob der Einsatz von KI in Kampagnen überhaupt noch nennenswert sei. Die Core-Gründer jedenfalls haben gezeigt, dass sie mehr sind als „diese KI-Agentur“. „Wir nutzen KI vor allem dann, wenn sie einen echten Unterschied macht“, betonen sie. „Etwa, wenn man nicht riskieren möchte, dass bei einem Filmdreh ein Wolf ein Schaf frisst, oder wenn es gerade keine Flugtickets an den Südpol gibt.“ Mindestens genauso gerne arbeiten sie mit echten Menschen zusammen – und zwar immer in genau der Konstellation, die zu einem Projekt passt. Denn sie sind überzeugt: Nicht jede große Kampagne braucht auch ein Riesenteam. Lieber stellen sie sich wendig und adaptiv auf, ergänzen ihr „Core Team“ nur bei Bedarf „um variable Experten aus dem Orbit“. Fest steht: Kerstin und Luca sind zur richtigen Zeit auf den richtigen Zug aufgesprungen. Und sie beweisen, dass sie mit den neuen Tools umgehen können. Technisch und inhaltlich. So ist auch der Case-Film, mit dem sich Core BLN um den Newcomer Award bei Campaign Germany beworben hat, ein schönes Stück visueller Wahnsinn, das charmant mit den Möglichkeiten und Knackpunkten von KI spielt.
