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28. März 2026

Winner Kollaboration

Ideenplanet Ost

East Side Story

Der Ideenplanet Ost zeigt, was möglich ist, wenn man sich zusammentut. Die Initiative setzt sich in der ostdeutschen Agenturszene für Sichtbarkeit und Austausch ein.

Wenn man Berlin mal außen vor lässt, gab es im Osten Deutschlands lange einen kreativen blinden Fleck. Bis 2020 war Ressourcenmangel Dresden die einzige Agentur aus dieser Region im GWA. Wer nach einem spannenden Job in der Branche suchte, ging nach Hamburg, Frankfurt, München oder Düsseldorf. Und wenn sie nicht gerade dort verankert waren, interessierten sich Kunden kaum für Kreation aus Chemnitz, Dresden oder Leipzig.

Daran wollten die Macher des Ideenplaneten Ost etwas ändern. Die Ini­tiative, angetrieben durch die Agenturen Oberüber Karger, Pio, Ressourcenmangel und Zebra Group, verfolgt das Ziel, die Kreativszene in ihrer Heimat sichtbarer zu machen und zu vernetzen. Mittlerweile haben sich auch Dschoy, Revolte, Genese, Sons of Motion Pictures und Contentkolonie angeschlossen.

„Traditionell ist der ostdeutsche Kreativmarkt stark vom Wettbewerb geprägt“, erklärt Zebra-Gründer Jörg Fieback. „Der Kontakt zu anderen Agenturen bestand früher vor allem darin, dass man sich bei öffentlichen Ausschreibungen die Klinke in die Hand gegeben hat.“ Eine Vernetzung und einen Austausch auf Augenhöhe wie in den großen Kreativmetropolen gab es im Osten bislang nicht. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Agenturen hier im Wettbewerb um deutlich weniger und budgetär niedrigere Etats stehen.

Umso bedeutsamer war der Schritt, den der GWA ging, als er die Effie-Gala nach Leipzig verlegte. Das war 2021, und der angekündigte Ortswechsel mündete coronabedingt in einer Online-Veranstaltung. Trotzdem wurde im selben Jahr der Grundstein für den Ideenplanet Ost gelegt. Eine Plakatkampagne mit dem Claim „Im Osten geht die Werbung auf“ begrüßte die Branche virtuell an der neuen Effie-Location. „Die Vergabe nach Leipzig war ein wichtiges Signal. Wir wollten das zum Anlass nehmen, um auf den Standort Ost und sein Potenzial aufmerksam zu machen“, sagte Benjamin Minack damals.

Der Gründer und CEO von Ressourcenmangel hat Wurzeln im brandenburgischen Frankfurt an der Oder. Er ist bekannt für seine klare politische Haltung und appelliert gern an seine Mitarbeitenden, sich im Wahlkampf zu engagieren. Er selbst hängte Plakate für die Grünen auf. „Antifaschismus ist Handarbeit“, so sein Credo. Denn die Wahlergebnisse in den neuen Bundesländern gehören auch zur Wahrheit im Osten. Und obwohl der Rechtsruck mittlerweile durch ganz Deutschland geht, hat die politische Situation auf die dortige Kreativbranche eine besondere Auswirkung. Menschen mit Migrationshintergrund sorgen sich, im Osten zu arbeiten, und Kunden hegen Vorurteile gegenüber Firmen in der Region.

Auch dagegen tritt der Ideenplanet Ost an. Was die Initiative seit ihrer Gründung erreicht hat, zeigt, was möglich ist, wenn Akteure sich zusammentun. In Kollaboration veranstalten die mittlerweile neun zugehörigen Agenturen regelmäßige Austausch- und Weiterbildungsveranstaltungen online und vor Ort. Im Sommer bespielten sie gemeinsam eine Bühne bei dem Leipziger Tech- und Art-Festival „Machn25“.

Insgesamt sei der Austausch unter den Agenturen besser geworden, meint Jörg Fieback. Ein Beispiel: Statt sich wieder die Klinke in die Hand zu geben, fragte Genese aus Magdeburg bei Zebra an, ob man gemeinsam an einer öffentlichen Ausschreibung der Wirtschaftsförderung in Mecklenburg-Vorpommern teilnehmen wolle. „Und es hat geklappt“, freut sich Fieback. „Die nächsten drei Jahre betreuen wir den Kunden zusammen.“